Loading Events
Kritik der Migrationspolitik. Zur Rolle von Grenzregimen im Kapitalismus
Online-Vortrag und Diskussion mit Dr. Fabian Georgi
Während der Corona-Pandemie wurden deutsche Staatsbürger*innen immer wieder durch die Bundesregierung zur Solidarität untereinander aufgerufen. Doch wer Teil dieser „Solidaritätsgemeinschaft“ ist und wer ausgeschlossen wird, führen uns Abschiebungen, die Existenz von Geflüchtetenlager und die allgemeine Perspektivlosigkeit eines großen Teils der Weltbevölkerung immer wieder vor Augen.
Während die europäischen Außengrenzen zu Zeiten der Pandemie verstärkt kontrolliert werden, werden Erntearbeiter*innen von außer Deutschlands aktiv angeworben, um die fehlende Arbeitskraft auf den Feldern auszugleichen. Eine Mischung aus repressiven und kapitalistischen Logiken scheinen sich seit geraumer Zeit in den Migrationsregimen Europas und der USA zu verfestigen.
Der Vortrag analysiert diese Tendenzen aus der Perspektive kritischer Staatstheorie und materialistischer Grenzregimeanalyse. Im Mittelpunkt steht die Frage, auf welche Weise Migrationspolitik und kapitalistische Ökonomie verflochten sind. Auf Basis welcher gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen agiert die deutsche Regierung seit dem ›Sommer der Migration‹ 2015? Welche Interessen stehen hinter der Regulation von Migrationsbewegungen, um die so heftig gekämpft wird?
Durch diese Analyse soll gezeigt werden, wie Migrationspolitiken durch Strukturwidersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung bestimmt werden. Einerseits steht dabei die Fähigkeit von Menschen, ihre eigene Geschichte selbst zu machen im Fokus, mit welcher Migration und Flucht als häufig eigensinnige Reaktionen und als Widerstand gegen kapitalistische Krisenprozesse zu begreifen sind. Zugleich dienen die oft scheiternden Versuche, Migration zu steuern, der Regulierung des globalen Arbeitsmarktes, also der Optimierung von Wachstum und Verwertung. Migrationspolitik kann daher auch als Arbeitskraftpolitik verstanden werden. Die Impulse zu Restriktion und Abschottung entstehen aus Rassismus und dem strukturellen Chauvinismus nationaler Sozialsysteme, welche gewaltvolle Ausschlüsse von Nicht-Zugehörigen zum Zwecke des Selbsterhalts voraussetzen und diese in Migrationsregimen institutionalisieren.
Dr. Fabian Georgi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg und hat im DFG-Forschungsprojekt „Die Transnationalisierung des Staates im Prozess der Entstehung einer gemeinsamen Europäischen Migrationspolitik“ (kurz „Staatsprojekt Europa“) gearbeitet. Seit 2012 ist er an der Professur für „Politische Ökonomie der BRD und der Europäischen Integration“ beschäftigt. 2016 schloss er seine politikwissenschaftliche Promotion mit dem Titel »Zu politischen Ökonomie von Migrationsregimen. Die Geschichte der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 1951-2015 ab. Aktuell arbeitet Dr. Fabian Georgi an seiner Habilitation „Marx und Migration. Zur Stellung von Migrations- und Grenzregimen im Kapitalismus“.
Am 03.06. um 19:00 auf Big Blue Button. Link: https://bbb.linxx.net/b/ant-0ev-cxj-ujz
Seid dabei!

Beitrag teilen!

Go to Top