CEUTA: FESTUNG EUROPA LÄSST DIE MENSCHEN IM STICH

Oktober 7, 2026

07. Oktober 2026

Zwei Monate nachdem zehntausende Menschen von Marokko in die spanische Exklave Ceuta kamen, leben dort weiterhin viele Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Anfang Oktober wurde der Strand nun vom spanischen Militär geräumt und viele Menschen rechtswidrig nach Marokko zurückgeführt. Statt Versorgung und Aufnahme zu gewährleisten, reagiert die EU mit Abschottung. #LeaveNoOneBehind ist seit August mit unserer Partnerorganisation Mission Lifeline vor Ort.

Gewalt und unterlassene Hilfe

Am Strand Trampolin lebten tausende Menschen seit Monaten in selbstgebauten Hütten und Zelten oder auf offener Straße. Unter ihnen sind viele unbegleitete Minderjährige, Frauen und Kinder. Es fehlt an Versorgung, medizinischer Infrastruktur und einer Perspektive wie es weiter geht. Vulnerable Gruppen wie Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen leiden besonders unter den Bedingungen. Es fehlt an Schutzräumen für Frauen und Mädchen, die besonders von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind.

Mission Lifeline und #LeaveNoOneBehind haben einen Truck mit Solarpanels zur Verfügung gestellt mit dem täglich 300 Handys geladen werden. Seit einigen Wochen läuft außerdem ein medizinisches Projekt, um vor Ort Nothilfe zu leisten.

Jeden Tag kommen Verletzte zu uns und berichteten von Gewalt durch Polizei und Militär, die sie zusammenschlagen, ihre Handys zerstören und ihnen ihr Bargeld abnehmen. Amnesty International hat Mitte September in Interviews mit den Menschen Misshandlung durch das spanische Militär dokumentiert und spricht von Folter. Am 4. Und 5. Oktober wurde der Strand nun von 350 Beamten, Drohnen und spanischem Militär gewaltvoll geräumt und massenhaft Menschen ohne individuelle Asylprozesse nach Marokko abgeschoben.

Die EU antwortet mit Abschottung

Die Bilder vom 31. Juli gingen um die ganze Welt. Rechte Parteien und Influencer sprachen von „Invasion“ und „Angriff“, schürten Angst und Hetze. In Ceuta und anderen Städten Spaniens kam es mehrmals zu nationalistischen Demonstrationen und Aufrufen zur Gewalt gegen Migrant_innen. Auch auf die Crew von Mission Lifeline wurden Hetzjagden durch die Stadt gemacht. Immer wieder kam es zu Brandanschlägen auf die Zelte der Geflüchteten.

Die Reaktion der EU-Mitgliedsstaaten war fatal: Italien setzte kurzzeitig das Schengen Abkommen mit Spanien außer Kraft, Deutschland verlängerte die europarechtswidrigen Grenzkontrollen und 22 EU-Regierungschef_innen warnten in einem Brief an die EU-Kommission und den EU-Rat, wir „dürfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, illegale Einreise in die Europäische Union sei möglich“. Die Festung Europa wird jeden Tag brutaler und angebliche „Solidaritätsmechanismen“ im GEAS existieren nur auf dem Papier.

Wie kam es dazu?

Innerhalb weniger Stunden überquerten rund 50.000 Menschen Ende Juli die Grenze nach Ceuta. Mindestens 140 Menschen ertranken bei dem Versuch. Die meisten Menschen, die es schafften, wurden innerhalb weniger Tage nach Marokko zurückgeführt.

Augenzeug_innen berichteten von offenen Grenzen und marokkanischen Beamten, die Menschen zum Übertritt drängten. Gleichzeitig kursierten Fehlinformationen auf Social Media, die nach einem Urteil des spanischen Obersten Gerichts offene Grenzen in die EU versprachen. Es wird vermutet, dass die marokkanische Regierung Migrant_innen instrumentalisiert, um politischen Druck auf Spanien auszuüben. Menschen werden ohne Rücksicht auf ihre Rechte als politisches Druckmittel eingesetzt und die EU macht sich erpressbar. Wer Menschen als „Masse“ oder „Gefahr“ sieht und behandelt, der entmenschlicht und macht sich mit verantwortlich. Würde die EU gelassen reagieren und nach humanitären Standards eine gerechte Verteilung und Versorgung ermöglichen, dann würde jede Instrumentalisierung ihre Macht verlieren.

Solidarität mit den Menschen in Ceuta!

Wie kann es sein, dass Europa diese Menschen sich selbst überlässt und sie seit ihrer Ankunft nichts als Gewalt und Ablehnung erfahren? Das Leid der Menschen sollte Solidarität und nicht Hass auslösen. Wir können uns nicht auf die EU und ihre Mitgliedsstaaten verlassen. Wir als Zivilgesellschaft müssen weiter vor Ort bleiben, uns einmischen und solidarische Hilfe für die Menschen an den europäischen Außengrenzen organisieren.

#AllEyesOnCeuta #LeaveNoOneBehind



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